Die Main-Rheiner über das Konzert in Worms

Totenlied und zärtliche VerseGedichte von Rückert rockig vertont 

 

Vom 23.08.2008
 
VonUlrike Schäfer

Ein Musiker ist Cosmic alias Georg Nägle schon ziemlich lange, und dass er über Friedrich Rückert stolperte, lag nahe: Der Weltenbürger und Poet, der jetzt auf Einladung von Thalia-Buchhandlung und Stadt im Lincoln-Theater gastierte, stammt nämlich wie er selbst aus Schweinfurt. Dennoch ist die deutsche Dichtung nicht gerade der Fundus, aus dem sich Rockmusik gemeinhin bedient.

„Eines Tages“, so erzählt Cosmic, „kam ein Kumpel, gab mir ein Buch mit Gedichten von Rückert und meinte: Mach´ was draus!“ Er las und las. Daraus entstand das ebenso ambitionierte wie ungewöhnliche Projekt „Poetry-Club“. Mittlerweile ist eine CD, an der an die 20 Musiker beteiligt waren, fertig, und die nächste ist in Arbeit. „Danach kommt Hölderlin“, versichert der junge Musiker, der die Gedichte alle selbst vertont hat.

Freilich, wer kennt heute noch den unglaublich produktiven Friedrich Rückert (1788 – 1866), der zu seiner Zeit sehr bekannt war, und schätzt seine von fernöstlicher Philosophie inspirierte Weisheit, die eine zeitlose Spiritualität zum Ausdruck bringt und dabei überhaupt nicht dogmatisch ist? Wer ihn aber kennt, bringt ihn musikalisch weniger mit Rockmusik in Verbindung als mit Gustav Mahler, der einige seiner „Kindertotenlieder“ weltberühmt gemacht hat. Wer Rockmusik mag, hört indessen bei dem Namen Rückert nicht auf. Eine schwierige Sache! Deshalb hielten sich die Zuhörerzahlen im Lincoln-Theater auch in bedauerliche Grenzen.

Das „Finden“ des Gedichtbands war der Einstieg in den musikalisch-literarischen Abend, der erste Song auch gleich die Essenz Rückert´scher Philosophie: „Die Welt ist schön“. Es folgten Titel, die die Eingebundenheit des Menschen in den Lebenskreislauf der Natur beschreiben („Blüh wie eine Blum“), relativierend und tröstlich zugleich, zärtliche Liebeslieder, die Rückerts Frau Luise galten, das bewegende Totenlied für ein Kind, „Stern“, ein Gute-Laune-Paket auf hohem Niveau, und last not least „Goldene Zeit“, ein wahrer Hymnus an die Lebens- und Schöpferkraft des Menschen. „Wir glauben an diese goldenen Zeiten“, sagte Cosmic, ehe er in die Saiten seiner Gitarre griff.

Es ist eine durchaus abwechslungsreiche Musik, die die Musiker, Cosmic (Gesang, Gitarre), Falk (E-Piano, Gesang), Uwe Breunig (Schlagzeug) und Stefan Preuß (Bass) machen, ein überwiegend melodischer „poetic pop“, manchmal rockt es ganz schön ab, dann wieder schlagen die Vier sehr behutsame Töne an, etwa wenn es um die Liebe oder um die Totenklage geht. Populärer Sprechgesang steht neben sehr melodiösen Interpretationen, die sich gelegentlich zum samtigen Chorgesang steigern. Eigentlich ein ziemlich gelungenes Transportmedium für diese Texte.

Hörproben der CD „Goldene Zeiten“ gibt´s auch auf der Homepage von Poetry Club.

 

Quelle: http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=3404348

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~ von cosmic - August 28, 2008.

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