Gott ist nicht tot – Iggy Pop und die Stooges in der Zitadelle Spandau

Wer behauptet, Gott sei tot, ist ein Lügner! Wir haben Gott gesehen, er heisst Iggy Pop und hat eine Band: Die Stooges!

Iggy Pop (Foto G. Nielsen)

Iggy Pop (Foto G. Nielsen)

Neulich erst bei Neil Young gewesen…und nun schon wieder ein essentielles Konzert für mich und mein Tagebuch:

Wir fuhren extra früher in die Zitadelle nach Spandau, schließlich war Jingo de Lunch als Support angekündigt und wir wollten sehen und hören, ob noch alles frisch ist mit den Helden von einst. Doch bevor die Kreuzberger Combo die Bühne betrat, gab es zwei weitere Vorbands…:

Zunächst mal eine junge Band, deren Name ich nicht verstanden habe und auch besser nicht erwähne, denn sie war irgendwie lasch. Sie versuchten das klassiche, wilde Rock´n´Roll Image zu imitieren. Der Versuch etwas authentisches zu imitieren ist aber strafbar! Wenn es Gefängnis dafür gäbe, unter drei Jahren wäre der Frontmann nicht rausgekommen. Die Band machte eine untalentierten und unambitioniert Eindruck, da half auch das gewagte Outfit mit Strumpfhose des Sängers nicht. Er versuchte sich in der Show an einigen großen Gesten der Rock´n´Roll History, die kamen aber eher unbeholfen rüber. Insgesamt also naja, irgendwie süß halt…aber trotzdem, es hat uns unterhalten!

Gaga und Cosmic bei Iggy

Gaga und Cosmic bei Iggy (Foto G. Nielsen)

ELKE

Basser (und auch Gitarrist) von EL*KE (Foto G. Nielsen)

Als nächstes kamen EL-KE. Das Emsländer Trio aus Berlin hatte Spass, einen geilen Sound, freche Texte und war sexy. Auch wenn ihr Style nicht gerade die Innovation ist, es machte Freude dabei zu sein. Wir waren wirklich zufrieden mit den Kerlen!

Dann waren Jingo de Lunch auf der Bühne. „Fühlt ihr Euch wieder wie 25, ja?“. Die Band war frisch und machte Spass, wie eh und jeh, und Yvonne ist ein Singtier mit Voodoo-Kraft! Geil.

Leider war der Sound bei Jingo nicht so fett. Aber egal, das Publikum feierte die Band sehr gut ab! Wir auch. Schön das sie wieder da sind!!

Jingo de Lunch (Foto G. Nielsen)

Jingo de Lunch (Foto G. Nielsen)

Und dann, der Headliner Iggy Pop kam auf die Bühne zuckte und elektrisierte von der ersten Sekunde an, mit den Stooges.

Seine Band, die eher zurückhaltend in Erscheinung trat, rollte dem Meister mit subversiver Vehemenz und vielen Watt (Marshall und Ampeg Stacks) einen fulminanten Klangteppich aus, auf dem der Chef sich austobte und den Abend würdig zelebrieren konnte. Iggy hatte Lust auf Berlin! Gleich nach dem dritten Song sprang der Urvater des Stagediving mit einem Hechtsprung in das tobenden Publikum, um danach gleich eine ganze Reihe von Fans auf die Bühne hoch zu holen. Es wurde getanzt und gegröhlt. Sein Signal, „Ich bin einer von Euch“ kam voll rüber. Das war ihm wichtig. Rock´n´Roll ist wie Sex, keine Sache die man alleine macht; Spass hat man zusammen: „We are the godamn Stooges and we are your fans!“ – Iggy war geil, seine Bewegungen, seine Gesten, seine Botschaft, seine Band. Es krachte, zuckte und spritzte den ganzen Gig hindurch weiter. Vielmehr kann und will man da nicht sagen: Ein historisches Ergeignis, das achte Weltwunder, der himmlische Vater leibhaftig.

“ I wann be your GOD!“ schrie Iggy, bevor die Band den Hit „I wanna be your DOG“ abgehen ließ….

Nach zwei Zugaben war er wieder weg, spätestens dann musste dem letzten Zuschauer in Spandau klar gewesen sein: Gott lebt und hat gerade die Bühne verlassen!

Die ganze Fotostrecke des Gigs in der Zitadelle findet man hier: Gaga Nielsen: Iggy, Iggy, Iggy

Iggy Pop (Foto G. Nielsen)

Gott lebt: Iggy Pop (Foto G. Nielsen)

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~ von cosmic - August 29, 2008.

25 Antworten to “Gott ist nicht tot – Iggy Pop und die Stooges in der Zitadelle Spandau”

  1. RAW POWER…

    Shit, fuck, shit, fuck! I stick it deep inside, cause I loose – always! So messed up, I want you here – now I wanna be your dog. We gonna have a real cool time tonight. It’s 1969 again. She’s……

  2. ? Mir scheint, ich bin der einzige der was über das Konzert geschrieben hat? Falls nicht postet hier doch bitte mal links zu weiteren Artikeln oder Blogs rein…dankeschön !

  3. Man kann es nicht oft genug sagen: Iggy ist Gott. Und wir sind seine Schäflein.

  4. Ich werde beim Lebensmitteleinkauf aus nachvollziehbaren Gründen künftig von Butter Lindner auf Dean & Deluca umschwenken müssen. New York ist zwar nicht um die Ecke, aber man muss einfach bereit sein, Opfer zu bringen. Iggy rulez!

  5. Da scheint noch jemand dort gewesen zu sein…

  6. (Es krachte, zuckte und spritzte den ganzen Gig hindurch weiter. Vielmehr kann und will man da nicht sagen: Ein historisches Ergeignis, das achte Weltwunder, der himmlische Vater leibhaftig)

    … auch wenn ich, gerade bei IGGY, den Vergleich mit dem himmlischen Vater völlig daneben finde (geradezu eine Beleidigung für IGGY) – das Konzert war klasse. Gerade ihn mit seiner alten Band, ohne die mainstreamigen Songs á la Passenger, zu erleben, war absolut einmalig. Vergleiche sind bei IGGY unmöglich, er spielt allein in seiner Liga!

  7. …und in der TAZ.

  8. Ja, Iggy war wie immer unglaublich lebendig. (Ich passe meinen Sprachstil dem mitgelatertem Publikum an und zähle mich dazu). Iggy tat mir fast leid. Die Stooges kamen mir vor, wie texanische Nerds, die zeitig Essen…. Der „arme“ Iggy hätte gerne die ganze Nacht weiter gespielt. Nach ca. 70 min. war dann aber leider Ende. Ich bekam den Eindruck, dass Iggy nicht die Bühne verlassen möchte, gemeint im übertragenen Sinne, leider aber seine Stooges. So hatte dieses Konzert auch etwas tragisches…

  9. @gaga 🙂 ja, hab inzwischen auch andere Artikel gefunden. Die besten Fotos sind aber hier, bzw. bei Dir…Danke niochmal! War so geil!

    @TomTom hehe, ja geb Dir recht, IGGY ist eben einmalig. Der „himmlische Vater“, damit wollt ich eben ein bischen provozieren, …aber Gott ist numal Gott.

    @Annika „lebendig“ ist gut! *g – zur Band: Hast Du den Basser „Mike Watt“ beobachtet (?), der ging aber auch ziemlich ab…der hätte auch noch mehr Gas geben können…

  10. stimmt, iggy spielt in einer eigenen liga…….und das ist die allerhöchste!!!!!! ich hätte es auch noch gerne länger gehabt, aber dieses (leider etwas kurze) konzert war einfach nur der hammer. punkrock in seiner quintessenz!!!! und das vom meister selbst….was will man mehr……?!?!?!
    hab mal meine eidrücke im rolling stone forum geschrieben:
    http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=33217

  11. Hab gelesen, Iggy hält sich seit seinen Vierzigern mit Tai Chi fit. Ausserdem hat er eine klasse Freundin…Siehe hier, Familie Pop:

    http://antsinp.antville.org/stories/1272408/

  12. Na war nur ich so früh da, das ich die Tante mit der Stumpfhose und güldenem Gürtel, die eine Ewigkeit auf ihrem Sax rum tutete bis ihr das Mikro abgestellt wurde, gesehen habe. Das beste daran war das das Publikum sich nicht ohne Reaktion von der hat naßspritzen lassen und jemand sein Bier geopfert hat!
    Wieso das Konzert vorverlegt wurde um dann die zwei mit den Strumpfhosen anzuheuern ist mir ein rätsel.

  13. @Janescu
    och, schade, das hätte ich auch gern gesehen! So peinliche Auftritte im Vorprogramm sind doch eigentlich großartig…

    Ich bin erst angekommen, als die Strumpfhose II einen bahnbrechenden Effekt auf seinen Gesang legte. Das Gerät hat seinen Satz zerhackt…das war soowas von beeindruckend:

    d-d-d-d-o-o-o-o-o
    y-y-y-o-o-o-u-u-u
    f-f-f-f-e-e-e-e-l-l-l-l
    o-o-o-o-l-l-l-
    right

  14. Da bin ich jetzt aber auch untröstlich: Strumpfhose mit güldenem Gürtel UND Mikro abgestellt. Da kommt ja alles Schlimme zusammen. Sternstunde der Musikgeschichte!

    Wer hätte gedacht, dass zwei Strumpfhosen so viel Freude bereiten können.

  15. @cosmicpoetryclub
    Nicht zu vergessen die Rückkoppelung als er sich das Mikro- an das Stumpfbehoste Gesäß hielt.

  16. Ich war nicht auf dem Konzert, aber Gott sei Dank, bin ich ja hier gelandet.

  17. Die ersten Vorbands waren ja schon eine Katastrophe, aber was JINGO DE LUNCH dort als Rockmusik verkaufen wollten, war an amateurhaftester Niedrigst-Qualität nicht mehr zu übertreffen: Das andauernde und angestrengte „Wir sind hip, Ihr seid hip und wir sind alle total gut drauf“-Geplärre raubte einem nicht nur den letzten Nerv, sondern auch den Glauben an real existierende gute Rockmusik.

    „Gott im Himmel“ dachte ich mir „…wann hat dieses infernalische Desaster nur endlich ein Ende?!“ Nach einer albern herumhüpfenden Piepsmaus mit dem Sexappeal einer Drahtbürste mit Plastikgriff und einer hilflos herumhampelnden strumpfhosenbewehrten Möchtegern-Tunte, war ich beim Auftritt der ELKEs schon fast wieder geneigt die Finger aus den Ohren zu holen, musste sie jedoch spätestens beim entsetzlichen Gequäke von JINGO DE LUNCH um so tiefer in den Schädel drücken.

    Die Knallschote, welche diese Vorbands zu verantworten hatte, sollte man umgehend an die Bühne stellen, um sie mit heißem Käse zu beschiessen!

    Nur die Aufnahme von nicht geringen Mengen der pissgelben Gerstenplürre, die auf dem Gelände zu horrenden Preisen feilgeboten wurde, bewahrte mich vor dem umgehenden Freitod.
    So harrte ich der Dinge und suchte den Veranstaltungsort akribisch nach der „Versteckten Kamera“ ab,…schließlich war dieses Konzert doch nur ein Fake, oder?! Irgendwo taucht doch jetzt bestimmt der Inbegriff der deutschen Spießigkeit in Form von Paola und Kurt Felix auf. Beide stellen sich alsdann grölend auf die Bühne und lachen sich darüber schief, dass es tatsächlich Altrocker, Punker, Rockabillies und Grufties gibt, die diesen ganzen Schwachsinn auch noch beklatschen.

    Pause. Wart, wart, wart.
    Immerhin kann ich das kohlensäurefreie gelbliche Zeugs jetzt wieder mit zwei Händen trinken.
    Ist wirklich nicht leicht, einen gutgefüllten Bierbecher in den Hals zu kippen, während man die Finger in den Ohren hat,…den Becher also nur mit den Zähnen zu packen und vorsichtig den Kopf nach hinten zu legen. Jetzt ist darauf zu achten, dass die größeren Mengen des kostspieligen Saftes einem in den Rachen und nicht ins Hemd laufen. Gut, geklappt hat das nicht immer, aber erfrischend war´s in jedem Fall. Immerhin.

    Und dann tauchte dieser spärlich bekleidete kleine dürre Mann auf der Bühne auf und als wären meine Stoßgebete erhört worden….erklangen Instrumente, die sich wie Instrumente anhörten,…offenbar hatte irgendwer in der Zwischenzeit einen Verstärker und ein paar akzeptable Lautsprecher besorgt,…jedenfalls hatte das elende Kofferradio-Getöse mit dem ersten Akkord der Stooges ein Ende.
    Und dann röhrte auch noch das Männchen ins Mikro, dass einem die Gänsehaut in Transrapid-Geschwindigkeit über den Torso zog. Hammer. Der Kerl verfügt über eine unglaubliche Ausstrahlung, vom ersten Ton hatte er sein Publikum im Griff und der satt-saubere Sound der Stooges sorgte dafür, dass dies bis zum Schluß so blieb.
    Das Publikum kannte Iggy und Iggy kannte sein Publikum…das war Sound, Spaß, Party…durchsetzt von solidem Rock.
    Sogar ein Hauch von intellektuellem Anspruch und politischer Botschaft „…in my land, in the fucking United States, there´s a electrical chair…“ war vetreten.
    Es hätte die ganze Nacht so weitergehen können,…Iggy hatte das Publikum bereits nach 10 Minuten für alle zu erduldenden Torturen, die im Vorfeld seines Auftrittes zu ertragen waren, entschädigt.
    Rund 75 Minuten hielt er dann durch, ohne jede Pause, ständig in Bewegung, immer wieder im Publikum.
    Alter Schwede, hoffentlich hat er noch ein paar gute Jahre vor sich,
    …denn wenn er wiederkommt, bin ich in jedem Fall dabei…selbst wenn Cindy&Bert gemeinsam mit dem Brechmittel Tokio Hotel im Vorprogramm auftreten.

  18. Pompelmo, Danke für Deinen Beitrag, ich hab sehr geschmunzelt, bei Deiner Zeilen!!
    „Mit heissem Käse beschiessen“ (haha) …

  19. Und dann tauchte dieser spärlich bekleidete kleine dürre Mann auf der Bühne auf und als wären meine Stoßgebete erhört worden….erklangen Instrumente, die sich wie Instrumente anhörten

    Ein Jammer, dass Pompelmo kein Blog schreibt.
    Ein Verlust für die Menschheit.

  20. […] die ganze Band, dann müsste man zumindest den Komponisten, Texter und Sänger dieses Songs “mit heissem Fonduekäse beschiessen“. Seht Euch das Video doch an, ihr werdet das gleiche Urteil sprechen. Es ist unfassbar. So […]

  21. Nur weil euch die Musik nicht paßt, müßte man eurer Meinung nach mit heißem Fonduekäse um sich schießen?
    Ich steh zwar auch nicht auf dessen Musik, aber was ich hier lese ist doch wohl echt bescheuert!
    Wenn euch diese Musik nicht paßt, dann hört doch was anderes! Wie wäre es z.B. mit Slayer? Oder Dimmu Borgir? Oder Darkened Nocturn Slaughtercult? Es gibt doch wohl nun wirklich eine breite Auswahl an Musik! Da ist doch bestimmt für jeden Geschmack etwas dabei!

  22. @blutengel
    Slayer? Dimmu Borgir? Darkened Nocturn Slaughtercult? Ich glaube ich muss Dir gleich ne Salve heissen Mozarella verpassen! hehe ! Ne, is nur Spass! Nehm´s nicht so ernst. Die Formulierung mit dem heissen Käse kommt von Pompelmo und ist einfach originell. Kritik muss sein. Und Spass auch. Take it easy, Blutengel! 🙂

  23. Nun ja,…es gibt für einen miserablen Konzertplaner wohl Schlimmeres als den Beschuß durch heißen Käse,…und wie Cosmic schon richtig feststellte, sollte Kritik möglich sein.
    Da Du, lieber Blutengel, ja offenbar auf dem entsprechenden Konzert nicht zugegen warst, kannst Du wohl auch nicht beurteilen, welch Ohrenschmaus Dir da entgangen ist.
    Aber der Gerechtigkeit halber möchte ich natürlich auch anmerken, dass Jingo De Lunch als Club-Band mit Sicherheit eine hervorragende Party-Truppe sind. Nur als OpenAir-Vorband von Iggy Pop war weder die Sound-Anmutung noch die Darstellung akzeptabel.

    Und bevor ich mir freiwillig Slayer reinziehe, wähle ich doch lieber den nächsten Club-Auftritt von Jingo De Lunch. Da stimmt dann auch die Akustik wieder,…und mehr Spaß bringt´s auch.
    Bei dem Zeugs, was Du Dir da reinziehst, bekäm´ ich schwerste Depressionen. 🙂
    Aber vielleicht ist auch genau DAS der Grund, warum Du meinen Text so ernst genommen hast. 😀

    @Gaga
    Hab´ mich neulich mal durch Deine Fotos gewühlt und war schwer angetan. Solltest mal eine Foto-Ausstellung machen, fänd ich´s sehr nett, wenn Du mir eine Mail schicken könntest.

    @Cosmic
    Die „Goldenen Zeiten“ werde ich mir demnächst mal bestellen.
    Habe mal in etwa die Hälfte der Stücke reingehört (soweit man das am rauschenden PC nebst mittelmäßigem Kopfhörer überhaupt kann) und beschlossen, weitere Hörproben nur am Original nur über eine brauchbare Stereoanlage vorzunehmen.
    Hatte während des ersten Hörens den Eindruck, dass in den Titeln eine ganze Menge Arbeit, Professionalität und Emotion steckt…

  24. Lieber Pompelmo,

    du kannst mir gerne eine Botschaft senden.

  25. […] Schwarzweißbilder hier und richtige Konzertkritiken z.B. im cosmicpoetryclub, viceland und der […]

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