Poetisierung der Gesellschaft – Rückeroberung der Herzlichkeit!

Blogmüde Foto Gaga Nielsen

Blogmüde Foto Gaga Nielsen

Ehrlich gesagt bin ich diese Tage etwas blogmüde. Das geht sicher wieder vorbei. Neue Artikel sind schon in Planung…aber heute möchte ich erstmal das  Tagebuch von Konstantin Wecker bewerben, in dem er neuerdings auch die Poetisierung der Gesellschaft propagiert. Da ist Cosmic nachtürlich hellwach, denn das ist ja ganz sein Anliegen mit dem poetrYclub.

„Poetisierung ist das Gebot der Stunde, und Solidarisierung. Die Rückeroberung
der Herzlichkeit in einer Gesellschaft der Herzlosen, der Einzug der Poesie in
eine Welt der Menschen als Ware.
Aufstand ist nötig, kein Aufstand der Anständigen. Sondern der Unanständigen,
Anstößigen, Unangepassten, derer, die sich informieren statt sich einlullen zu
lassen, Zusammenballung der Kräfte des Unmuts, Vergeistigung einer geistlosen
Gesellschaft.“

Ich zitiere unten den ganzen Abschnitt aus seinem Blog und werbe dafür, daß Konstantin Wecker seinen Webauftritt gerade neu macht, zu Twittern anfängt und Inhalte hinter den Schlagzeilen promoten wird: Das trägt sicher alles zur Poetisierung der Gesellschaft bei. Ich freu mich drauf; mag Künstler die sich für die kranke Gesellschaft und Demokratie und ihre Heilung einsetzen. Ganz mein Ding… 😉

Zu Konstantin Wecker und seinem Tagebuch, hier ist der  >> Link.

Tagebucheintrag Konstantin Wecker am 6. Oktober:

„Liebe Freunde!
Wovor mir wirklich graut, das wäre, wenn sich diese Merkelei zu einer Neuauflage
der Kohl-Ära auswächst. Diese Einschläferung im Wahlkampf hat mich doch sehr
daran erinnert, wie 16 Jahre lang das geistige Niveau gezielt nach unten
gefahren und jedes Problem ausgesessen wurde.
Nun war dieser Kulturverfall unter Kohl schlimm genug, aber da konnte man immer
noch von den geistigen Restbeständen der 68er-Bewegung runterbeissen, da war
also ein gewisses intellektuelles Polster vorhanden. Heute kommen wir auf dem
kulturellen Zahnfleisch daher. Wohin uns auf dem jetzigen Stand des
Geisteslebens eine weitere Einlullung und Verblödung führen würde, das will ich
mir nicht ausmalen.
Deshalb wird es in diesem zweiten Teil meiner Anmerkungen zur Bundestagswahl
nicht um das gehen, was man sich normalerweise unter Politik vorstellt. Drei-
Buchstaben-Kürzel irgendwelcher Parteien werden nicht vorkommen. Das ist quasi
meine Rache. Kultur kam ja im Wahlkampf auch nicht vor.
Und zwar kam Kultur wirklich überhaupt gar nicht vor. Nix. Null. Fehlanzeigen.
Die große Abwesenheit.
Nicht einmal, wie die Bildung, als ein Programmpunkt, den man im Wahlkampf
aufbläst, um hinterher wieder die Luft rauszulassen, kam die Kultur vor. Das
Wort Kultur war nicht vorhanden. Auch nicht im Wahlkampf der Linkspartei
übrigens. Bildungsabbau, ja, das wird thematisiert. Sozialabbau, sowieso.
Und ich bin ja der Erste, der da ungefragt in Solidarität ausbricht. Aber was
ist mit dem Kulturabbau?
Mit Kultur meine ich natürlich nicht nur die Kultur, die brav von Deutsche Bank
bis Audi gesponsert wird, schöne Musik, herrliche Musik zum Teil – aber eben
Musik die nicht weh tut, die nicht nach der Herkunft des Geldes fragt, mit der
sie möglich gemacht wurde – nicht mehr danach fragt, muss man sagen, denn vor
Jahrhunderten tat auch die klassische Musik den Herrschenden weh.
So sehr ich die klassische Musik liebe, zum Teil vergöttere, aber das kann und
darf nicht alles sein. Und ich erwarte von einer demokratischen Gesellschaft,
dass Gelder freigemacht werden auch und gerade für eine Kultur des Widerstands
gegen ebenjene selbstgefälligen Sponsoren, die sich mit geistigem Gut schmücken
um weiterhin ihre geistlosen Geschäfte verrichten zu können.
Aber selbst und gerade in Berlin, unter Wowereit und Rot-Rot, wird ein
atemberaubender Vernichtungsfeldzug gegen alternative Kultur veranstaltet. Den
Palast der Republik hat man abgerissen, weil man es nicht ertragen konnte, dass
in Berlin Mitte ein solches Prunkstück der DDR-Architektur stehen bleibt. Schon
das ein Skandal, eine Denkmalschändung ohnegleichen. Aber was ja in der
öffentlichen Debatte gar nicht richtig vorkam: dieser Palast der Republik war in
erster Linie ein Kulturzentrum! Und zwar ein Kulturzentrum für normale Leute mit
normalem Einkommen, und das wird beim neugebauten Stadtschloss sicher nicht so
sein.
Das Kulturzentrum Tacheles, das Berlin auf seinen Tourismusseiten stolz der Welt
präsentiert, soll derweil privatisiert werden. Geplant ist, stattdessen ein
Hotel für die Gäste und Mitarbeiter des Bundesrates hinzusetzen.
Im thüringischen Suhl wurde erst das Orchester abgeschafft. Jetzt wird noch das
ehemalige Haus der Kultur, jetziges Haus Philharmonie, abgerissen. Die IHK will
sich dort ein Haus der Wirtschaft bauen. In Suhl! Einer Stadt, in der keine
nennenswerte Wirtschaft mehr übrig ist, seit die Treuhand damit fertig ist.
Der ehemalige französische Kulturminister Jacques Lang hat einmal gesagt:
„Kultur ist die Nahrung der Seele“. Und in dieser Hinsicht wird gerade da
gehungert, wo die Kühlschränke noch voll sind. Die sogenannte erste Welt mag
erstklassige Autos und Waffen bauen, aber geistig und kulturell erleben wir
eine beispiellose Verelendung und Verwahrlosung.
Und nehmen wir das nicht zu leicht: Empfindsamkeit ist die Voraussetzung, dass
Solidarität überhaupt entstehen kann. Kultur befähigt uns, uns selbst im anderen
zu erkennen.
Was ist zu tun?
Poetisierung ist das Gebot der Stunde, und Solidarisierung. Die Rückeroberung
der Herzlichkeit in einer Gesellschaft der Herzlosen, der Einzug der Poesie in
eine Welt der Menschen als Ware.
Aufstand ist nötig, kein Aufstand der Anständigen. Sondern der Unanständigen,
Anstößigen, Unangepassten, derer, die sich informieren statt sich einlullen zu
lassen, Zusammenballung der Kräfte des Unmuts, Vergeistigung einer geistlosen
Gesellschaft.Euer
Konstantin Wecker“

Euer cosmischer Chefredakteur

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~ von cosmic - Oktober 15, 2009.

9 Antworten to “Poetisierung der Gesellschaft – Rückeroberung der Herzlichkeit!”

  1. ja.

    (man könnte denken, dein Eintrag wäre erst dagewesen und dann hätten wir uns das Foto dazu ausgedacht. Aber so gehen ja nur Konzeptkünstler und Schreibtischtäter vor. Es hat sich einfach so ergeben und man spürt, wenn etwas entstehen will. Koinzidenzen (cosmic flow…)

  2. ja 😉 cosmic & gagalagtic

  3. oh… was für ein schönes neues Wort!!!!!!
    GAGAGALACTIC…..!!!

  4. ich stottere ja schon vor Begeisterung!
    korrekt heißt das neue Wort natürlich
    gagalagtic!
    So steht es im cosmischen Duden!

  5. … sag, lieber Georg – in welchem Feld hast du denn da gelegen? Das Foto zieht mich wahrlich an. Ich will auch liegen. Liegen und Atmen. Inmitten einer Weise. Loslassen. Fallenlassen. Poetisieren.

    Lieben Gruß, Kerstin

  6. Hi Kerstin,
    das war das Hanffeld:
    http://www.hanflabyrinth-berlin.de/

    …war einen Tag vor der Ernte…
    lg

  7. Liebe Kerstin, es gibt noch mehr Bildchen! Nämlich hier und hier! (Sogar welche in Farbe!) Eigentlich hätte ich die Existenz dieses schönen Labyrinths anstandshalber damals als gute Nachricht posten sollen… Schande über mich. Ich bin keine gute Reporterin. Aber vielleicht gibt es ja nächstes Jahr wieder eins!

  8. Vielen Dank für die Gedanken mitunter zum Thema Geistiges Heilen. Unserer Meinung nach ist Geistiges Heilen ein Angebot an Hilfesuchende, welches gleichberechtigt neben klassischer Schulmedizin und allen ganzheitlichen therapeutischen Angeboten und nicht in Konkurrenz zu diesen steht Aufgabe und Ziel geistiger Heilbehandlungen ist es, Heilung im ganzheitlichen Sinne zu fördern, die Selbstheilungskräfte anzuregen sowie Menschen beim Wahrnehmen ihrer Eigenverantwortung zu ermutigen und zu unterstützen.
    Geistig-spirituelle Heilbehandlungen können sowohl jede andere Therapie ergänzen als auch eigenständig angewandt werden. Sie sind jedoch ausdrücklich kein Ersatz für ärztliche, heilkundliche Diagnostik oder Therapie. Die Deutsche Heilerschule – Bildungsinstitut für Energieheilkunde bietet als anerkannte Schule allen Interessierten dieses Wissen als Ausbildung an.

    Viel Erfolg und weiterhin so gute Beiträge für diesen Blog!

  9. Hallo Heilerschule, danke für Deinen Kommentar. Weltpoesie ist Weltversöhnung. Unser Beitrag zur Heilung sind Rückerts Gedichte, die wir im poetryclub spielen und singen. „Wachsen soll das Heil des Ganzen!“.

    http://www.myspace.com/cosmicpoetryclub
    http://www.poetryclub.de

    Viele Grüße

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