Zauberkreis

Video Gaga Nielsen, Musik (Demoversion) Cosmic, Text Rückert

Zauberkreis, hat für mich ein ganz tiefe Bedeutung. Ich hatte mal eine Zauberwoche, das liegt schon fast 15 Jahre zurück. Damals erlebte ich in meiner Heimatstadt Schweinfurt eine intensive Zeit und es geschahen Wunder. Es gab damals eine Clique, die betatribe, und Chris Wagner (Produzent von Rising High der HBlockx) war der charismatischste Mensch, den man sich vorstellen kann.  Ein Kreis von ca. 30 Leuten baute damals, spielerisch eine magische Energie auf, es war ein Haufen von kurdischen, türkischen und deutschstämmigen Deutschen und es war die Aera der elektronischen Musik und des Rave. Wir hatten Visionen ohne Ende, träumten, liebten, tanzten, machten Musik, Bilder, Videos, Raves, Kung Fu und Schwitzhütten. Die Welt stand uns offen, besser noch das Universum, der Cosmos.

Eines Tages kam Chris zu einer Veranstaltung ins Kulturhaus, wir hatten grade die Videos laufen und Zett, ein genialer Illustrator und Komponist, testete  seinen neuen Track  „KrikKrak“ an. Der Titel funktionierte, die Leute strömten auf die Tanzfläche…Chris war verändert. Er hatte die Haare blond gefärbt und ein unfassbar zufriedenes Grinsen drauf. Keiner hatte mit ihm gerechnet, denn man konnte mit ihm nicht rechnen. Entweder war er da, oder eben nicht, man konnte ihn nicht buchen oder zu irgendwas verpflichten, Chris war unberechenbar, aber immer am richtigen Ort.

Ich stand am Dj-Pult und machte Videomix, als Chris vor mir stand. Er schaute mich glückselig an, grinste und streckte die Hand aus, um sich zu verabschieden. In diesem Moment ahnte ich noch nicht, das es ein Abschied für immer sein sollte, zumindest in dieser Welt. An diesem Abend ging Chris zum Steinbruch bei Holzhausen, einem idyllischen, abgeschiedenen Ort, an dem wir öfters Feten feierten. Chris wurde zwei Tage später im See gefunden, mit einem Stein ertränkt.

Alex, der Comiczeichner, und ich, wir erfuhren am Sonntag morgen davon. Wir hatten die Nach durchgemacht, weil wir eine Cosmic Worldparty im Nil veranstaltet hatten. Montag früh gingen wir in die Stadt und setzen uns an das Rückert-Denkmal in der Mitte des Marktplatzes. Wir waren erstaunlich gefasst, irgendwie hat es manche Leute nicht wirklich überrascht, was passiert war. Chris war einfach nicht zu halten.

Wir saßen also am Rückert-Denkmal, und waren ganz ruhig und gefasst, und beschlossen eine Woche lang nichts zu machen, uns also treiben zu lassen, unser Universum NIX anzuzapfen. Wir besorgten Straßenmalkreide und begannen zu malen, überall in der Stadt, wir zogen von einem Ort zum Anderen, wir hatten den Ghettoblaster dabei und drehten auf, die Musik von Chris, die Tapes der betatribe. Vor seinem Tod hatte Chris jedem von uns ein individuelles Tape gemacht. Sound for the new generation. Und es war wie eine andere Welt, die ich seit diesem Morgen und für eine ganze Woche lang erlebte. Durch das Loslassen, das bedingungslose Treiben lassen, das abstellen jeglicher Beschäftigung mit alltäglichen Zwängen und Gegebenheiten versetzte uns in eine magische Parallelwelt. Es passierten unglaublich Dinge, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Aber ihr könnt mir glauben, durch die Entschleunigung und durch dieses Ereignis wurden wir in eine Zauberwelt versetzt. Wir waren da und angekommen. Es war erlebbare Mystik, völlig real. Ich staunte und gab mich hin…

Die Woche war wunderschön, es war Mai, es war warm und sonnig und wir taten das, was Chris sich von uns gewünscht hatte. Wir lebten unsere Vision und den Zauber  in vollen Zügen. Am Ende der Woche fand die Beerdigung statt. Es war so, daß sehr, sehr viele Menschen dort waren, auch die ganzen Freunde, die alle bunt gekleidet waren und natürlich die Vorurteile vieler Angehöriger bestärkten, daß wir sowas wie eine Sekte gewesen sein sollten. Die Woche schloß mit einem Unwetter. Die Beerdigung war gerade zu Ende, als von einer Minute auf die andere ein Wind kam, die Wolken kamen und sich schwarz zuzogen und es bagann ein langer, heftiger Regen mit schweren, großen Regentropfen. Die Zauberzeit war zu Ende.

Die Musik von Zauberkreis enthält für mich sehr viel von dem Gefühl und der Stimmung dieses ganzen Mysteriums, dieser betatribe-Zeit und diese großen Liebe, die uns damals ergriffen hatte. Die Liebe für das große Ganze und für unsere Existenz. Das Wissen, daß wir uns alle nicht „einfach so“ treffen und ein Stück des Lebens gemeinsam gehen und dann wieder verlieren, sondern daß wir verbunden sind, Resonanzen sind, Klang, Schwingung.  Das wir alle die Fähigkeiten in uns tragen, viel Größere und schönere Dinge zu erkennen und zu erleben, die uns in der heutigen Welt allzu oft verloren gehen. Aber es ist immer da, neben uns existiert eine andere Welt, voller Zauber und Schönheit, Wärme, Freude und Glück. Wir können Sie abrufen, wenn wir loslassen, wenn wir den Zauberkreis betreten. Das Paradies liegt neben uns.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich könnte wetten, daß der Rückert-Text von Zauberkreis eine Übersetzung des großen Mystikers und Poeten RUMI ist. Die alldurchdringende Liebe, die große Liebe, das ist es worum sich hier alles dreht. Zauberkreis. Ich vermisse Dich Christian. Was wäre noch mit uns geworden, wen Du geblieben wärst. Doch was wird mit unserem Traum noch alles passieren…, weil Du gegangen bist. Alles, einfach alles hat seinen Sinn. Unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende…ich bin grade wieder mittendrin…

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~ von cosmic - Juni 20, 2009.

Eine Antwort to “Zauberkreis”

  1. alles findet sich
    und alle finden sich
    das all das findet dich
    und alles findet sich
    und alle finden sich
    und alle finden dich
    das all das findet sich

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